Pässe der Tour de France: Welche sind die legendärsten, die man kennen sollte?
Jeden Sommer verwandelt die Tour de France die Bergstraßen in atemberaubende Bühnen. Die Pässe werden zu natürlichen Arenen, in denen Radsportgeschichte geschrieben wird. Vom Tourmalet über den Galibier, von Alpe d'Huez bis zum Mont Ventoux – diese Anstiege lassen die Herzen von Radfahrern weltweit höher schlagen. Im Folgenden stellen wir die legendärsten Pässe vor, die die Legende der „Grande Boucle“ geprägt haben.
Warum sind die Pässe der Tour de France Teil der Radsportlegende?
Seit über einem Jahrhundert führt die Geschichte der Tour zu den Gipfeln. Es sind die Pässe, die der Tour de France ihre epische Dimension und ihre beinahe mythische Aura verleihen. Jeder Anstieg erzählt von einem Kampf, einer Heldentat, einer Aufgabe. Die steilen Rampen, die engen Serpentinen, die in den Wolken versteckten Gipfel, all das macht diese Straßen zu Orten lebendiger Erinnerung für passionierte Radsportler.
Die Klassifizierung der Pässe spielt eine zentrale Rolle im Rennen. Das Punkttrikot, das an den besten Bergfahrer vergeben wird, ist eines der bekanntesten Symbole des Wettbewerbs. Um es zu erobern, kämpfen die Tourfahrer an Anstiegen, die in vier Kategorien eingeteilt sind, von der vierten bis zur ersten, bis hin zum gefürchteten „Hors Catégorie“-Status. Diese seit den 1970er-Jahren eingeführte Wertung prämiert die anspruchsvollsten Pässe, jene, die wirklich den Unterschied im Gesamtklassement machen.
Diese Pässe sind mehr als nur sportliche Herausforderungen. Sie sind auch atemberaubende Landschaften, schwindelerregende Panoramen auf die französischen Alpen oder die Pyrenäen, Horizonte, die dem Mühen einen Sinn geben. Genau diese Mischung aus Schmerz und Schönheit macht diese Anstiege so unvergesslich.

Welche sind die markantesten Pässe der Alpen und Pyrenäen?
Die beiden großen Gebirgszüge Frankreichs teilen sich seit den ersten Austragungen der Tour die Ehre. Jeder besitzt seine Riesen, gefürchteten Passagen und legendären Gipfel. Hier sind die wichtigsten, die jeder Radsportfan kennen sollte.
Die Giganten der französischen Alpen
In den Alpen gilt der Col du Galibier als unbestrittener Herrscher. Mit einer Höhe von über 2.600 Metern zählt er zu den höchsten Anstiegen, die je von der Tour bewältigt wurden. Seine konstant steile Steigung, die endlosen Kehren und das Panorama auf die Südalpen machen diesen Pass zu etwas Besonderem. Der Col du Galibier ist oft mit dem Col du Télégraphe verbunden, der bei Saint-Michel-de-Maurienne vorausgeht, und dem Col du Lautaret, der auf der Briançon-Seite folgt. Zusammen bilden sie ein gnadenloses Triptychon für die Beine der Fahrer.
Alpe d'Huez verdient eine besondere Erwähnung. Mit seinen 21 rückwärts nummerierten Kehren, dem ausgelassenen Volksfest am Straßenrand und zahllosen historischen Momenten ist Alpe d'Huez wohl der bekannteste Pass der Tour. Der Start in Bourg-d’Oisans, die Menschenmassen an den Streckenrändern, die auf den Asphalt gemalten Fahrernamen: Wer die Alpe d'Huez erklimmt, betritt eine Kathedrale des Radsports.
Col de la Madeleine in den nördlichen Alpen ist ebenfalls ein häufiger Bestandteil des Kurses. Lang und gleichmäßig beansprucht er die Kondition, bevor die Südalpen ihre letzten Geheimnisse offenbaren. Die Croix de Fer, ein weiterer bedeutender Pass der Region, ist bekannt für technische Passagen und eindrucksvolle Blicke auf die umliegenden Berge. Schließlich hat sich der Col de la Loze – ein neuerer Zielort in der Geschichte der Tour – rapide als einer der härtesten etabliert. Als „Pass des 21. Jahrhunderts“ bekannt, machen ihn seine extremen Steigungen zu einer echten Herausforderung für die besten Kletterer der Welt.
Col d'Izoard in den südlichen Alpen verdient ebenfalls einen Platz in diesem Pantheon. Die Casse Déserte, eine mondähnliche, trostlose Zone wenige Kilometer vor dem Gipfel, gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften, die man auf dem Rad erleben kann. Hier haben Fausto Coppi und Louison Bobet einige der schönsten Kapitel der Tour-Geschichte geschrieben.
Die Klassiker der Pyrenäen
In den Pyrenäen herrscht der Col du Tourmalet vor. Er ist der meistüberquerte Pass in der Geschichte der Tour. Von La Mongie oder Sainte-Marie-de-Campan aus führt er auf über 2.100 Meter und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Pyrenäengipfel. Der Tourmalet ist die Seele der Pyrenäen für Radfahrer.
Der Col d'Aubisque, oft zusammen mit dem Col du Soulor gefahren, stellt eine der spektakulärsten Passkombinationen der Pyrenäen dar. Die Straße zwischen den beiden Pässen führt an schwindelerregenden Klippen entlang durch selten wilde Landschaften. Der Col d'Aspin, zwar niedriger gelegen, aber wegen seines anspruchsvollen Profils genauso gefürchtet, ist ein weiterer Klassiker der Bergetappen der Pyrenäen. Der Col de Peyresourde wiederum wird häufig als Sprungbrett vor den großen Zielankünften genutzt. Seine Gleichmäßigkeit und Länge machen ihn zu einem schwierigen Selektions-Faktor.

Wie bereitet man sich auf die Auffahrt eines legendären Tour-de-France-Passes vor?
Davon zu träumen, diese legendären Straßen zu erklimmen, ist das eine – es wirklich umzusetzen, ist etwas anderes. Egal ob erfahrener Radfahrer oder ambitionierter Hobbyfahrer: Einen „Hors Catégorie“-Pass zu bezwingen, erfordert fundierte Vorbereitung, körperlich wie auch materialseitig.
In Bezug auf die körperliche Fitness ist spezielles Bergtraining unerlässlich. An der Schwelle Leistung trainieren, das Verhältnis von Gewicht zu Leistung verbessern, die Beine an lange, gleichmäßige Anstiege gewöhnen – das sind die Grundlagen. Die Tour-Pässe verzeihen keine Improvisation.
Bei der Ausstattung zählt jedes Detail. Das Rad natürlich, aber auch die Schutzausrüstung. In großer Höhe ändert sich das Wetter rasch. Ein wolkenloser Start kann in wenigen Kilometern zu eisigem Wind oder brennender Sonne werden. Die Augen werden bei der Vorbereitung oft vergessen, dabei ist der Augenschutz am Pass – zwischen dunklen Waldtunneln und exponierten Graten mit intensiver Helligkeit, essenziell. Eine Rennradbrille mit Gläsern, die Lichtwechsel ausgleichen, macht den entscheidenden Unterschied für klare, sichere Sicht auf der Strecke.
Sicherheit bedeutet auch: Helm tragen. Auf Passabfahrten wie am Galibier oder der Alpe d’Huez werden enorme Geschwindigkeiten erreicht. Ein gut sitzender, leichter und belüfteter Fahrradhelm ist unverzichtbar, um solche technisch anspruchsvollen Abfahrten selbstbewusst zu meistern, beim Helm gibt es keine Kompromisse.
Auch der richtige Zeitpunkt ist entscheidend, um sich auf diese Straßen zu wagen. Die Tour-Pässe sind in der Regel von Juni bis September geöffnet. Wer früh morgens aufbricht, entgeht der Hitze und genießt das herrliche Licht auf den Gipfeln. Das ist auch die Zeit, in der die Straßen noch den Radfahrern gehören, bevor die Autos das Asphaltband teilen.

Was man über die Pässe der Tour de France wissen sollte
Die Pässe der Tour de France sind weit mehr als bloße Hindernisse auf einer Strecke. Sie sind das schlagende Herz des Rennens, Orte, an denen Champions geboren werden und Legenden entstehen. Egal ob Sie sie vom Sofa aus bestaunen oder davon träumen, sie eines Tages selbst zu erklimmen – sie verdienen es, gekannt, verstanden und respektiert zu werden. Hier sind die wichtigsten, die man sich merken sollte:
- Der Col du Tourmalet, König der Pyrenäen und am häufigsten befahrene Pass der Tour-Geschichte
- Der Col du Galibier, Gigant der Alpen und einer der höchsten Anstiege des Kurses
- Alpe d'Huez, das ultimative Symbol des populären Radsports mit seinen 21 legendären Kehren
- Der Mont Ventoux, einsam und gefürchtet, eine psychologische ebenso wie eine körperliche Herausforderung
- Der Col d'Izoard mit seiner Casse Déserte, eine Endzeitlandschaft, unvergessen im Radsport
- Der Col de la Loze, der neue Maßstab der modernen Tour und einer der bisher härtesten Anstiege
Jeder Pass erzählt seine eigene Geschichte. Jeder Anstieg ist eine Einladung, die eigenen Grenzen zu verschieben, weiter zu sehen, intensiver zu erleben. Vielleicht ist das die eigentliche Magie der Tour-de-France-Pässe.


